10. Summer School 2008
für klassische Naturheilkunde
- Berichte -

Rückblick auf die Summer School 2008
13. - 21. September 2008 in Überlingen am Bodensee


Pressebericht Südkurier

Brutkasten für Naturheilkunde
32 Medizinstudenten bei "Summer School" an der Klinik Buchinger - Theorie und Praxis
Aus der ganzen Republik waren Medizinstudenten zur zehnten "Summer School" für klassische Naturheilkunde an die Klinik Buchinger gekommen, um sich in Theorie und Praxis weiterzubilden.

Überlingen (hpw) Seit zehn Jahren gibt es inzwischen die "Summer School für klassische Naturheilkunde" an der Klinik Buchinger und sie hat sich im Kreise der Medizinstudenten längst etabliert. Jahr für Jahr steigt die Zahl der Anmeldungen für die Veranstaltung der European Society for Complementary and Natural Medicine (ESCNM). "Wir sind sehr froh darüber", sagt Françoise Wilhelmi de Toledo: "Denn wir brauchen so einen Brutkasten für die Naturheilkunde und junge Ärzte, die sich dafür begeistern."

In diesem Jahr sind es 32 Medizinstudenten, die aus der ganzen Republik nach Überlingen gekommen sind. Sie befassen sich im Kneippheilbad mit physikalischen Therapien wie Hydro-, Balneo- und Klimatherapien, Bewegung und Massagen. Themen sind das individuelle Gesundheitsmanagement und die Ordnungstherapie. Ganz spezielle Erfahrungen konnten die Teilnehmer auch bei Mooranwendungen in Bad Waldsee machen.

Natürlich geht es bei Buchinger unter anderem auch um das Thema Fasten. Rund die Hälfte der Studenten erprobte es dieses Mal am eigenen Leibe. Neben den ganz speziellen Verzichtserfahrungen hat es für die Teilnehmer den Vorteil, dass sie in der Klinik wohnen dürfen. Die andere Hälfte war zwar in der Martin-Buber-Jugendbegegnungsstätte untergebracht, dafür wurde sie an der Klinik Buchinger mit einer vorbildlichen Vollwerternährung versorgt.

Dass die Studenten das komplette Programm für nur 200 Euro in Anspruch nehmen können, ist nur durch die engagierten Förderer und Sponsoren der Veranstaltung möglich, denen die Naturheilkunde ganz besonders am Herzen liegt. Dazu zählt die Erich-Rothenfußer-Stiftung in München, die sich den Leitsatz gegeben hat: "Heilen mit Natur!" Michael Mahlo, deren Vorsitzender und Sohn des Stifters, ist stets persönlich präsent in Überlingen und verfolgt die Entwicklung der "Summer School" mit großem Wohlwollen. "Wir wollen die Naturheilkunde fördern und erreichen, dass sie mehr offizielle Anerkennung und Berücksichtigung in der universitären Ausbildung findet." Auch die Eden-Stiftung und die Klinik Buchinger als Gastgeber tragen ganz wesentlich dazu bei, dass eine derart anspruchsvolle Veranstaltung für die Studenten erschwinglich bleibt.

Beeindruckt zeigten sich die Studenten nicht nur von den erwähnten praktischen Erfahrungen am eigenen Körper. Auch über das hohe Niveau der Vorträge waren sie allesamt erstaunt. Waren doch mit den Naturheilkundlern Prof. Saller (ETH Zürich) oder Prof. Kraft (Universität Rostock) namhafte Wissenschaftler im Team. 


Ein Song der Studenten der 10. Summer-School als PDF



Erfahrungsberichte der „Esser“
Bei strömenden Regen fanden sich an einem kühlen, grauen Samstagnachmittag im September dreißig vorfreudige, aber orientierungslose Medizinstudenten aus ganz Deutschland am Überlinger Bahnhof ein. Dank Google-Map erreichten die „Esser“ auf direktem Weg ihre Herberge und die „Faster“ die am Hang gelegene, den Bodensee überblickende Buchinger Klinik.
Bereits im Vorfeld konnte man sich entscheiden hier einmal das Heilfasten auszuprobieren und die Woche mit den leckeren Buchinger Gerichten ausklingen zu lassen oder von Beginn an die vegetarischen Bio- Köstlichkeiten zu genießen
Es erwartete uns in dieser 10.Summer School-Woche ein facettenreiches, naturheilkundliches Programm, auf das wir alle sehr gespannt waren. Das Angebot reichte von morgendlichen Qi Gong über Vorträge führender Wissenschaftler zum breiten Spektrum der Naturheilkunde bis hin zu praktischen Anwendungen, wie z.B. der Schröpf-Massage und entspannenden Moorbädern.

Täglich starteten wir mit Qi Gong am Bodensee in den Morgen, wobei wir von Tag zu Tag leichter aus den Federn kamen. Laut Frau Dr.Wilhelmi de Toledo, der Direktorin der Klinik Buchinger, ein Weg, um seinen natürlichen Grundrhythmus zu finden. Zur Belohnung durften wir uns danach unter anderem auf ein leckerers, frisch zubereitetes Bio-Buchinger-Müsli freuen.
Darauf folgten Vorträge renommierter Professoren der Naturheilkunde, die fachlich, wie auch menschlich sehr kompetent waren und uns noch bis in den Abend hinein für Fragen oder Diskussionen zur Verfügung standen. Thema waren die fünf Säulen der klassischen Naturheilkunde: Ernährung, Hydrotherapie, Bewegung, Ordnungs- und Phytotherapie. Zusätzlich zu den Vorträgen gab es praktische Einheiten, wie zum Beispiel mit einem Physiotherapeuten der Buchinger Klinik, der uns die Craniosakral- und die Klangschalentherapie näher brachte. Hervorzuheben ist auch das Erlernen von Grundzügen des Shiatsu, einer angenehmen japanischen Massageform.

Zwei weitere Highlights unserer Summer School waren der Ausflug nach Bad Waldsee und ein interaktiver Spaziergang durch einen Tobel in der Nähe von Überlingen.
In Bad Waldsee hatten wir neben Vorträgen von den Ärzten der dortigen Reha-Klinik die Möglichkeit, in das sehr großzügig angelegte Thermalbad zu gehen und dort auch verschiedene Anwendungen zu genießen. Einige Glückspilze in der Gruppe hatten per Los das Moorbad gezogen und durften sich so auf ein sehr wohltuendes Erlebnis freuen. Die Alternativen waren warme Heusäcke, Moorpackungen, Wechselgüsse und CO² Packungen – für uns alle eine rundum angenehme Erfahrung.
Den Spaziergang in den Tobel konnten wir im Rahmen des Phytotherapie-Seminars nach dem Dauerregen zu Beginn unserer Summer School bei herrlichen Sonnenschein unternehmen. Der schluchtartiger Waldabschnitt mit steilen Geröllwänden und vielen kleinen Wildbächen, war eine Fundgrube für Pflanzen und Tiere aller Art. Wir sollten diesen Spaziergang bewusst mit allen fünf Sinnen wahrnehmen, was uns aufgrund der außerordentlichen Vielfalt leicht gelang. So entdeckten wir Pflanzen wie die Tollkirsche oder auf den Wiesen nahe des Tobels die giftige Herbstzeitlose. Es war eine sehr interessante Erfahrung, was man alles erleben kann, wenn man sein Augenmerk auf Fauna, Flora und die Geräusche sowie Gerüche, die von ihnen ausgehen, richtet.

Durch das gesamte Programm der Summer School leiteten uns Grit und Andrea, die die Organisation sehr gut im Griff hatten und uns alle Wünsche erfüllen sowie Fragen beantworten konnten. Sie haben sehr stark zu der freundschaftlichen Atmosphäre in der Gruppe beigetragen, die sich im Laufe der Tage immer mehr gefestigt hat. Die ganze Zeit über herrschte eine angenehme Stimmung und Harmonie. Noch in Überlingen haben wir geplant uns alle einmal wiederzusehen und eventuell eine Fasten-Reise zusammen zu unternehmen. Grit war für das morgendliche Qi Gong, die Schröpf-Massagen, die Anleitung und Durchführung des Mini-Schlafs und für „Fit mit Grit“ verantwortlich, unsere kleinen sportlichen Pausen zwischen den Vorträgen. Andrea als Ökotrophologe versorgte uns mit zusätzlichen Ernährungstipps und vielen Witzen und Scherzen.

Der letzte Abend der Summer School war ein voller Erfolg. In Gruppen aufgeteilt, kümmerten wir uns um die Planung des letzten gemeinsamen Zusammenseins aller Teilnehmer und Organisatoren. Ein Teil von uns erstellte und kochte mit den hervorragenden Köchen der Buchinger Klinik ein leckeres Menü, zwei weitere planten die stimmungsvollen Show-Einlagen und festliche Dekoration des Pavillons. Diese bestand aus bunten Zetteln, auf denen Sprüche und Worte, die wir alle mit der Summer School in Verbindung gebracht haben, geschrieben standen. So konnten wir am letzten Abend diese phantastische Woche noch einmal Revue passieren lassen. Ein Höhepunkt neben den kulinarischen Köstlichkeiten war dabei das von uns auf die Summer School umgedichtete, mit Gitarrenbegleitung gesungene Lied „neunundneunzig Luftballons“.

In diesem Sinne möchten wir uns bei allen bedanken, die diese großartige Woche ermöglicht haben, insbesondere bei Herrn und Frau Dr.Wilhelmi. Wir werden diese Woche immer in guter Erinnerung behalten und möchten alle in unserem Alltag etwas von dem umsetzen, was wir in dieser Zeit lernen durften.

Alice Thraen und Katharina Kaiser



Erfahrungsberichte der „Faster“

Bei lausigen Temperaturen und strömenden Regen trafen wir, 30 Studenten aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, nass und geschafft in der Klinik Überlingen am Bodensee ein.

Gespannt und voller Neugierde auf eine ganze Woche im Sinne der Naturheilkunde hatten wir uns alle auf den Weg gemacht.
12 von uns hatten sich im Voraus sogar entschieden, den Blick in die praktische Naturheilkunde zu vertiefen und gemeinsam 5 Tage lang zu fasten. Unter Anleitung unserer Fastenleiterin Irmentraut Lüttich sollten wir in die Kunst des Fastens eingewiesen werden und erhielten so die Möglichkeit, uns und unseren Körper auf eine neue Art und Weise kennen zu lernen.
Während der erste Tag, der so genannte Entlastungstag, uns abends noch eine Portion Reis mit Apfelmus bescherte, erlebten wir am nächsten Tag (dem 1. Fastentag) das komplette Ausmaß unserer Entscheidung: Morgens kurz vor 7:15 Uhr trafen wir uns in der Villa Fischtenau auf eine Tasse Tee mit einem halben Löffel Honig, um dann pünktlich um 7:30 Uhr mit Grit zum Bodensee zu laufen und am Ufer den Tag mit Qi Gong zu begrüßen. Zum Frühstück „genossen“ wir am ersten Fastentag einen halben Liter Glaubersalz zur Darmreinigung. Während das erste Glas noch scherzend getrunken wurde, so kostete uns das zweite Glas schon etwas mehr Überwindung, da der Geschmack nicht gerade angenehm war. Das Frühstück der nächsten Tage hingegen wurde dann mit einer Tasse Tee, einem Löffel Honig und einem Zitronenstück zum Auslutschen schon zu einem wahren Festmahl. Gestärkt verließen wir so jeden Morgen die Villa Fichtenau und machten uns auf zu spannenden, interessanten und lehrreichen Vorträgen. Mittags kamen wir wieder zusammen und genossen gemeinsam eine schöne, heiße Gemüsebrühe mit frischen Kräutern. Wär hätte gedacht, dass eine einfache Gemüsebrühe uns in ein solches Entzücken versetzen könnte! Anschließend zogen wir uns, gekuschelt an unsere Leberwickel, zu einer Runde Mittagsschlaf zurück.
Das Nachmittagsprogramm läuteten wir dann wieder mit einer Tasse Tee, Honig und Zitrone ein. Und, obwohl sich das die meisten wohl nicht vorstellen können: spätestens ab dem zweiten Fastentag war selbst dieses spärliche Mahl die reinste Gaumenfreude. Derweil nun abends die Gruppe der "Esser" ausgestattet mit einem Lunchpaket an uns vorbeilief, erwartete uns eine schöne Kanne (oder eher ein Kännchen) frisch gepresster Obstsaft. Der Tipp unserer Fastenleiterin, diesen Saft gemischt mit heißem Wasser zu trinken, kam uns erst etwas eigenartig vor, wurde schließlich aber doch von allen als Geschmacks- und Genusserlebnis empfunden.
Insgesamt waren die 5 Fastentage für uns alle eine enorme Selbsterfahrung. Wir lernten, dass unser Körper auch ein paar Tage ohne feste Nahrung sehr gut funktioniert, dass das gefürchtete Hungergefühl uns kaum begleitete und, wie gut gelaunt und leicht wir in diesen Tagen durchs Leben „schwebten“. Selbst der anfänglich gefürchtete Einlauf entpuppte sich zu einer Wohltat.
Erschwert wurde das Fasten durch den nahen Kontakt zu unseren essenden Kollegen, die öfters vom guten Essen schwärmten. Auch der Anblick des aufgebauten Buffets in der Waldsee-Therme ließ uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Umso mehr waren wir nach den 5 Fastentagen sehr stolz, dass wir es alle gemeinsam geschafft hatten. Man sah schon lange keine so leuchtenden Augen mehr, wie beim feierlichen Fastenbrechen mit einem Apfel.

Der Stolz, das geschafft zu haben und vor allem die unglaubliche Bereicherung für jeden einzelnen machten alle Strapazen wett. Die gute Laune, die Entspannung und die erstaunliche Körpererfahrung werden uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Nachdem wir unsere persönlichen Erfahrungen mit den "Essern" ausgetauscht hatten, waren viele von ihnen sogar der Meinung, sie hätten das Fasten doch besser auch ausprobieren sollen. Der ein oder andere nahm sich fest vor, in der nächsten Zeit selbst eine kleine Fastenzeit einzulegen.

Neben dem Fasten gab es jede Menge andere Highlights in dieser Woche:
Während Frau Prof. Dr. Kraft uns in die Methode und Anamnese der Naturheilkunde einführte und uns schließlich sehr eindrücklich die Anwendung von Blutegeln demonstrierte, so führte uns Herr Lutz in die Tiefe von Shiatsu, Klangmassage und Craniosacraltherapie ein. Sehr interessant und lehrreich war für uns der ganze Tag zum Thema Ernährung: Herr Dr. von Koerber vermittelte uns die 4 Dimensionen der Ernährung in Bezug auf Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Gesundheit, wodurch viele von uns zum Nachdenken über die eigene Ernährung angeregt wurden. Ergänzt wurden seine Erläuterungen von Frau Huber- Jürß, die uns die Vollwerternährung und die praktische Umsetzung näher brachte. Spätestens nach diesem Beitrag waren die meisten davon überzeugt, wie wichtig und teils einfach eine Ernährungsänderung sein kann. Lange in Erinnerung wird uns wohl auch der Tag in der Waldseetherme bleiben. Neben Vorträgen über Rheumabehandlung durch Naturheilkunde und die Anwendung von Balneologie in der Gynäkologie, demonstrierte uns Dr. Gerstlauer den Ablauf von detonisierenden Massagen und Lymphdrainagen. Der Höhepunkt des Tages waren jedoch der Kurzbesuch in der Therme und die 2 physikalischen Anwendungen, die jeder von uns erleben durfte. Einige entspannten sich bei einem schönen Heusack, während andere im Moor-Vollbad ins Schwitzen kamen. Alle waren am Ende hellauf begeistert und sehr dankbar, dass uns dieses Selbsterlebnis ermöglicht wurde.
Der Tag im Namen der Phythotherapie führte uns gemeinsam mit Frau Dr. Schubert in den Hödinger Tobel. Sie zeigte uns, mit welchen Pflanzen man verschiedenste Beschwerden behandeln kann, welche erstaunliche Vielfalt an Pflanzen die Natur uns bietet und, dass so mancher "Krokus im Herbst" doch eher eine Herbstzeitlose ist.
Neben den vielen Vorträgen über Naturheilkunde durften wir auch selbst so einiges in die Hand nehmen und lernten beispielsweise beim gemeinsamen Zubereiten eines Mittag- und Abendmenüs vom Chefkoch der Klinik einiges zur praktischen Umsetzung der Vollwerternährung.

Ein gelungener Abschluss war der gemeinsame letzte Abend. Mit selbst gekochtem Buffet und einem kleinen Showprogramm bedankten wir uns beim Organisationsteam und insbesondere bei der Erich- Rothenfußer sowie der EDEN-Stiftung, die uns durch ihre Förderungen die Teilnahme an der Summer School ermöglicht hatten.

Schließlich hieß es Abschied nehmen und wir machten uns bei strahlendem Sonnenschein auf die Heimreise - mit vielen wertvollen Erfahrungen und guten Vorsätzen im Gepäck!

© Antonia Breiter und Anika Herrmann

Zurück