1. Summer School 1998
für klassische Naturheilkunde
- Berichte -

Klassische Naturheilkunde im Mittelpunkt der 1. Summer School mit Medizinstudierenden und der 1. Bodensee-Konferenz

Vom 21. bis 24. September 1998 organisierte die ESCNM in Überlingen die "l. Summer School für klassische Naturheilkunde", die 30 Medizinstudentinnen und -studenten aus verschiedenen deutschen und Schweizer Universitäten besucht haben (Nürnberg, Giessen, Berlin, Bern, Mainz, Hannover, Göttingen, Ulm, Bonn, München, Marburg). Geleitet wurde die Summer School von Prof. Dr. M. Bühring aus Berlin, dem Vorsitzenden der ESCNM und zur Zeit einzigen Lehrstuhlinhaber Deutschlands für dieses Fach. Die Organisation der Veranstaltung wurde von Dr. med. F Wilhelmi de Toledo koordiniert. Das wissenschaftliche Komitee bestand aus B. Uehleke (Würzburg), K. L. Resch (Bad Elster), R. Saller (Zürich), R Saz (Zaragoza) und W. Marktl (Wien). Wir baten die StudentInnen, selber über ihre Erlebnisse zu berichten, und hier möchten wir die Berichte von Antje und Michael Stellberg veröffentlichen.

«Eine Plattform zur Information und Diskussion mit und um Naturheilkunde wurde erstmalig in dieser Art durch die Vernetzung mehrerer Kliniken und mit Hilfe von Sponsoren aus dem westlichen Bodenseebereich mit Schwerpunkt in Überlingen geschaffen. 30 bundesweit Studierende der Fächer Medizin und Ökotrophologie hatten die Möglichkeit, naturheilkundliches Wissen auf theoretischem und vor allem praktischem Wege zu erlangen oder zu vertiefen. Präventive, kurative und palliative Behandlungsmöglichkeiten der Naturheilkunde gehörten ebenso zum Themenbereich wie die Erörterung der Geschichte und Konzepte klassischer Naturheilverfahren in Abgrenzung zu umstrittener Paramedizin. Weitere Punkte waren ökotrophologische Gesichtspunkte und die Dokumentation und Forschung in der Naturheilkunde. Um der Gefahr zur Kopflastigkeit durch übermässige Theorie Einhalt zu gebieten, wurde in einem ausgewogenen Verhältnis dafür gesorgt, die Möglichkeit der praktischen Anwendung innerhalb der unterschiedlichen Kliniken zu erfahren. Hierzu gehörten ausgewählte Bereiche der Diätethik, der Hydrotherapie, Massageformen, der Atemtherapie, des Psychodramas und als besonderer Zusatz die Möglichkeit zum Heilfasten. Den Teilnehmern der Summer School wurde die Möglichkeit gegeben, der anschliessenden dreitägigen Bodensee-Konferenz für Naturheilkunde beizuwohnen ( ... ).

Mit einem Vier-Tage-Programm ist natürlich nicht die gesamte Naturheilkunde zu besprechen bzw. zu erleben. Um jedoch zumindest mehr Zeit für Diskussionen zu schaffen, empfiehlt sich im Sinne einer Qualitätssteigerung unter Beibehaltung der Quantität des Lehrstoffes eine zeitliche Ausdehnung der Summer School auf sechs Tage (... )

Sowohl gesundheitsökonomische als auch rein medizinische Aspekte sind in dieser Zeit für einen Beginn der Diskussion zur Etablierung des Faches Naturheilkunde in einem grösseren Rahmen als bisher zu sehen. Die Öffnung der Krankenkasse durch den Druck der Bevölkerung spricht für sich. Jedoch sind immense Wissenslücken als auch Falschinformationen bei der Bevölkerung vorherrschend. Wie könnte diesem besser begegnet werden und man sich zugleich schützen vor gefährlichem «Scharlatanismus» und Paramedizin als durch Inforrnation und Diskussion. Wissen schaffen anstatt Wissen verwalten, sollte in der Zukunft mehr Betrachtung finden als bisher.» (...)
Michael Stellberg, Bergisch-Gladbach


«Die Teilnahme an der 1. Summer School für klassische Naturheilkunde war für mich ein grosser Gewinn. Schon im Studium habe ich mir oft gewünscht, es gäbe mehr Informationen zum Thema «gut geprüfte alternative Medizin» als gelegentliche ironische Hinweise in Vorlesungen, dass z.B. Kräutertees erstens nichts nutzen und zweitens gefährlich seien. Es fehlt meines Erachtens ein erheblicher Teil des Spektrums der Medizin in unserer universitären Ausbildung (... ).

Im Rahmen der Summer School öffneten Kurkliniken ihre Türen und gewährten uns Einblick in die Räumlichkeiten und Konzepte. Es bestand Gelegenheit zum Gespräch mit den dort tätigen Ärztinnen und Ärzten. Leider war die Zeit sehr knapp bemessen, so dass manche gute Diskussion abgebrochen werden musste. Aber ich denke, dass die Summer School Anstoss für viele ist, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Einige von uns sind möglicherweise mit ihren Überlegungen im Hinblick auf eine Doktorarbeit oder Weiterbildung in diesem Bereich einen Schritt weitergekommen.»
Antje Stellberg, Bergisch-Gladbach


Die Summer School mündete dann in die "l. Bodensee-Konferenz für klassische Naturheilkunde", ein ärztlicher Kongress, an dem Kapazitäten aus ganz Europa teilnahmen, die in einem wissenschaftlichen Gedankenaustausch die Themen der klassischen Naturheilkunde vertieft und europäische Forschungsvorhaben entwickelt haben.


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